Ich liege am Boden. Es tut einfach weh. Schmerz, der gut tut, ich mache gerade die Krankengymnastikübungen, die mich wieder auf die Beine bringen sollen. Es gibt so viel tiefen Schmerz, in meinem Leben, in dieser Welt. Wir machen Fehler, sind egoistisch, wollen die Not des anderen nicht sehen, überdenken unsere Worte nicht, mit denen wir so oft verletzen. Lieben nicht, nicht Gott, nicht den Nächsten, nicht uns selbst. Und als ob das nicht reicht, wir sind Teil einer Welt, die kriselt. Wenn wir ehrlich sind, sind wir schuldig. Und wir wissen: Schuld verschwindet nicht einfach so. Sie kann verdrängt
werden, aber sie schmerzt weiterhin. Es braucht Ausgleich, Sühne. Das müssten wir eigentlich bringen. Aber weil Gott uns so sehr liebt, übernimmt er das und gibt Jesus ans Kreuz. Für uns. Für mich. Karfreitag ist ein ruhiger Tag, um dem nachzuspüren: Wo habe ich Schuld auf mich geladen, wo muss ich um Entschuldigung bitten. Wo braucht es Vergebung, damit neue Gemeinschaft möglich wird. Nicht abgegebene und vergebene Schuld erdrückt.
Jesus breitet die Arme am Kreuz aus, um unsere Schuld zu tragen. Weil er für uns gestorben ist, können wir leben. Karfreitag bietet all dem Raum. Dem Schmerz Jesu, der unschuldig leidet. Dem Schmerz Gottes, der seinen Sohn am Kreuz sterben sieht. Meinem Schmerz, zu sehen, dass Jesus die Schuld der Welt trägt, auch meine. Dieser Schmerz heilt, damit wir auf die Beine kommen. „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Jesus in Johannes 3,16) Wie gut, dass wir den Karfreitag haben, um das Leben aus der Hingabe Jesu zu feiern.
Ihr Pastor Dietmar Gördel
Veröffentlicht in der Norddeutschen Rundschau, Karfreitag 2026